Sie können nicht immer alles richtig machen

Wie Sie ja wissen, betonen meine Kollegen und ich stets die Anpassung verschiedener Gewohnheiten im Alltag.

 

Nicht, dass gegen "Übungen" grundsätzlich etwas einzuwenden wäre, sondern zunächst schlicht deshalb, weil Veränderungen von Bewegungsmustern im Alltag den größten Hebel haben. Sie nutzen Ihren Körper ja 24 Stunden am Tag. Das ist immer mehr, als 1 Stunde Yoga pro Woche.

 

Nun kann ich öfters beobachten, dass manchen Klienten regelrecht Angst wird, wenn sie an die vielen Dinge denken, die sie verändern müss(t)en:

 

  • Anders gehen
  • Anders stehen
  • Anders sitzen
  • Anders liegen
  • Grundsätzlich anders bewegen
Dazu gesellt sich die Angst etwas "falsch" zu machen, oder nicht richtig.

 

Ich möchte Ihnen heute solche Ängste nehmen.

 

Zunächst einmal darf man vor der Vielzahl der Dinge die zu ändern sind, keinen Bammel haben. Sie sehen zunächst einen riesengroßen Berg, den es zu erklimmen gilt. Der erscheint Ihnen zu hoch, also fangen Sie gar nicht erst an.

 

Der Trick ist nun ganz einfach der: Eine lange Wegstrecke zerlegt man einfach in viele kleine Einzelstrecken. Auf einmal sieht die Welt ganz anders aus (Sie kennen ja das berühmte Zitat aus dem Tao Te King, dass auch die längste Reise mit dem ersten Schritt beginnt. Nebenbei bemerkt beginnt die Reise sogar noch früher: Nämlich mit dem Gedanken an den ersten Schritt).

 

Wenn Sie alles auf einmal ändern wollen, wird Sie die Menge dessen, was Sie ändern wollen beängstigen. Glauben Sie ernsthaft ICH hätte von heute auf morgen alles anders gemacht? Natürlich nicht. Das war ein ziemlich langer Prozess und Schritt für Schritt (beim Ballengang im wahrsten Sinne des Wortes), habe ich verschiedene Dinge an mir und in meiner Umwelt geändert.

 

Das Zerlegen in kleinere Einheiten ist etwas, was immer funktioniert. Angenommen, Sie hätten die Aufgabe 1000 Adressen zu recherchieren und in eine Datenbank einzutragen. Das erscheint zunächst ziemlich viel. Wenn Sie aber sagen, dass Sie jeden Tag 5 Adressen recherchieren und eintragen, wird das Ganze auf einmal handhab- und umsetzbar. In knapp einem halben Jahr ist das Thema - wie nebenbei - erledigt.

 

Also fangen Sie bspw. an nur eine Ihrer täglichen Gewohnheiten zu ändern. Wenn Sie dann möchten, nehmen Sie die nächste usw.

 

Nun glauben viele, dass man hinsichtlich des Bewegens im Alltag immer alles richtig machen muss. Der Witz ist aber, dass das gar nicht möglich ist. Wenn ich bspw. mit der Bahn fahre oder mit dem Auto, habe ich über die Beschaffenheit der Sitze keine Kontrolle. Das müssen wir einfach akzeptieren.

 

Wenn ich mich in einem Raum mit mehreren Rundrückenträgern befinde, werde ich, ob ich das will oder nicht, mich temporär unbewusst deren Struktur annähern. Wir haben nunmal die Tendenz unsere Umgebung zu imitieren und nicht allzu sehr auffallen zu wollen. Auch das müssen wir akzeptieren.

 

Solange wir dort, wo wir die Kontrolle haben diese auch nutzen, ist das alles gar kein Problem. Und so lange wir uns selbst beobachten erst recht nicht.

 

Doch davon erzähle ich beim nächsten Mal.

 

 

Bildnachweis: Hartwig HKD, "Meditation in the Deer Park", flickr.com, Creative Commons BY-ND 2.0

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