Funktionalität

Wie Sie ja vielleicht wissen, vertrete ich die Ansicht, dass unser größter Hebel zur Verbesserung unserer Körperstruktur und Erhöhung unseres Bewegungsspielraums der Alltag ist. Da unser Fasziennetz auf die dominanten Bewegungs- und Haltungsmuster des Alltags reagiert, sich also so hinbaut wie wir "es" benutzen, bietet sich hier ein guter Angriffspunkt (vielleicht erinnern Sie sich noch an meinen Beitrag "Das 24 Stunden Training"). 

 

Darüber hinaus haben viele natürlich das Bedürfnis etwas mehr zu tun und sich in irgendeiner Art und Weise sportlich zu betätigen. Bei der Auswahl der sportlichen Betätigung, also dem WAS und der jeweiligen Ausführung, also dem WIE, ist es meines Erachtens wichtig die Frage danach zu stellen, ob mich das funktionaler macht oder nicht. 

 

Mit "Funktionalität" meine ich, ob das, was ich da mache, auch im Alltag von nutzen ist. Ist es das nicht, ist es vergebene Trainingsmühe und macht mich sogar noch unfunktionaler. Ich abstrahiere hier einmal von Sportarten ,die für sich gesehen reiner Selbstzweck sind, wie etwa Fußballspielen. Da geht es schlicht um den Spaß und das Drumherum - auch wenn es durchaus schädlich ist und zu starken Verletzungen führen kann (nicht-funktional). 

 

Ich nennen Ihnen einmal ein Beispiel für ein unfunktionales Training: Isolierte Bizepscurls mit der Kurzhantel. So wird der Bizeps richtig groß und rund. Das Problem dabei ist, dass Sie diese Bewegung (also, 10 mal hintereinander hoch-runter in 3 Sätzen) im Alltag niemals brauchen werden. Es ist vollkommen zweckfreies Training. Wenn sie bspw. eine Wasserkiste heben, dann heben Sie diese u.a. mit Ihrem Bizeps. Um die Kiste (kann jetzt auch eine Bierkiste sein ...) vom Auto ins Haus zu tragen machen Sie ja nicht 10 mal hoch-runter, sondern einmal hoch - 20 Meter laufen, wobei der Bizeps hält, hält, hält und dann abstellen. Ihr Bizepstraining bringt gar nichts. 

 

Ähnliches gilt für Liegestütze: Wann müssen Sie denn mal Ihren Körper mit Ihren Armen 30 mal hintereinander hochdrücken und wieder absenken? 

 

Oder Sie üben einen Spagat. Davon einmal abgesehen, dass man den Körper regelrecht zwingen muss, einen Spagat zu machen (ob er vielleicht einen Grund hat, das nicht zuzulassen?), brauchen Sie diesen Spagat im Alltag nie. Das ist vollkommen zweckfreies Training. 

 

Nun könnte man einwenden, dass es ja auch bestimmte gesundheitliche Vorteile hat, wenn man bspw. Krafttraining macht. Das ist sicherlich richtig, doch sollte meines Erachtens auch hier der Grundsatz der Funktionalität erhalten bleiben. Es stimmt einfach nicht, dass jeder Sport besser ist als keiner. 

 

Wie bspw. funktionales Krafttraining aussehen kann, davon dann einmal.

Bildnachweis: ThoroughlyReviewed, "Fitness Gym Workout Weight Strength Training" via flickr.com, Creative Commons BY 2.0

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