Ist "kein Sport" die Lösung?

 

Oft entsteht der Eindruck, dass ich jede Form der sportlichen Betätigung rundheraus ablehne. Grundsätzlich gilt natürlich, dass man das, was einem Spaß macht unbedingt machen sollte. Man mache sich aber über den üblichen Breitensport nur keine Illusionen. Sie bekommen damit eklatante Schwächen in Ihrer Körperstruktur nicht in den Griff. Viele Sportarten führen eher gerade zu diesen körperlichen Dysbalancen und verstärken diese eher.

 

Manch einem Zeitgenossen ist von üblichem Breitensport sogar dringend abzuraten:

 

Um die Ecke unserer Wohnung gibt es einen Park. Darin sehe ich regelmäßig angestrengte “Jogger”. Besonders eine Person hat es mir angetan: Ein Herr mittleren Alters mit eindeutigem Bierbauch und hochrotem Kopf, hochgezogenen Schultern, nach außen gedrehten Füßen und einem Muskeltonus am gesamten Körper als wäre er aus Stein. Dieser Herr kam mir bei meinen morgendlichen Spaziergängen gelegentlich - schwerfällig vor sich hinstampfend - entgegen. Vor lauter Muskelspannung konnte der Mann sich kaum bewegen. Aber irgendwie wollte oder sollte er sich wohl bewegen, um abzunehmen. Ich konnte regelrecht den Arzt sagen hören: “Gehen Sie mal joggen, Sie müssen dringend abnehmen”. Also quälte sich unser Herr regelmäßig durch den Park.

 

Wer in einem solchen körperlichen Zustand tatsächlich Laufen geht, bei dem sind praktisch Hüft- oder sonstige Schäden vorprogrammiert. Es gibt Menschen, die einen solch hohen Muskeltonus haben, dass sie nicht einmal mehr in einen einfachen Fersensitz kommen.

 

Aber kann "kein Sport" die Lösung sein?

 

Grenzen wir doch zunächst zwei Dinge voneinander ab. Nämlich "Sport" (worunter auch Kraft- und anderes Fitnesstraining fällt) und "Bewegung".

 

Was der Körper braucht um gesund und funktionsfähig zu bleiben ist ganz klar Bewegung.

 

Nach meiner Auffassung sollte diese Bewegung die folgenden Kriterien erfüllen - Sie sollte:

 

  • Art- bzw. anatomiegerecht sein.
  • Das Nervensystem fordern.
  • Die Beweglichkeit verbessern (Bewegungsreichtum).
  • Die Bewegungsqualität verbessern.
  • Auch noch mit 90 ohne weiteres ausführbar sein.

 

Die allermeisten der üblichen Breitensportarten erfüllen nicht einmal 2 der oben genannten Kriterien.

 

 

Bewegungsreichtum

 

Der wichtigste Punkt ist der Punkt 3. Landläufig wird unter Beweglichkeit verstanden, dass man etwa in der Lage ist einen Spagat auszuführen. Doch das zeigt lediglich, dass jemand in einem Teil seines Körpers eine gewisse (Über-)Beweglichkeit besitzt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der- oder diejenige im ganzen Körper geschmeidig und beweglich ist.

 

Es kommt bei körperlicher Bewegung vor allem darauf an, dass man sich einen gewissen Bewegungsreichtum erarbeitet. Das bedeutet, dass man den ganzen Körper so bewegt, dass alle möglichen Gelenkwinkel angesprochen werden. Und zwar in Kombination!

 

Der Körper verfügt über etwa 360 Gelenke. Jedes dieser Gelenke kann unterschiedliche Positionen, also Winkelgrade einnehmen. Sie können jetzt rein kombinatorisch ausrechnen wieviele Winkelkombinationen ein Körper insgesamt einnehmen kann. Vermutlich ist das unendlich.

 

Nun ist es so, dass die Möglichkeiten in Bezug auf den Bewegungsreichtum des Körpers in sämtlichen Sportarten praktisch nicht komplett ausgeschöpft werden. Das ist immer nur mehr oder weniger der Fall. Jeder Sportart hat Ihre eigenen Bewegungsmuster und jeder Sportler wiederum das für seinen Körper mögliche Bewegungsspektrum.

 

Boxer studieren die Bewegungen Ihrer Gegner per Videoanalyse ganz genau. So können sie sich auf Ihre Gegner besser einstellen. Würden Boxer Ihren Bewegungsreichtum erweitern, wären sie nicht mehr ausrechenbar. Dass sie es aber sind zeigt, wie eingeschränkt das Bewegungsmuster des einzelnen Boxers sein muss.

 

Wie kann man Bewegungsreichtum trainieren?

 

Die schlechte Nachricht ist: Mit den üblichen Sportarten geht das nicht. Der Mensch ist bequem und hat von sich aus die Tendenz die Bewegungen zu machen, die ihm gut liegen.

 

Bewegungsmuster werden auch durch Strukturmerkmale des Körpers bestimmt. Wenn ein Karateka bspw. die Tendenz hat immer nur sein rechtes, nie aber sein linkes Bein zu verwenden, wenn er bestimmte Tritte ausführt, kann das bspw. an einer Rotation des Beckens liegen, die es einfacher macht eben das "Schokoladenbein" zu verwenden.

 

Die einzige mir bekannte Methode mit der sich Bewegungsreichtum trainieren lässt, ist das Senmotic Neuro-Tactile-Programming oder kurz: Senmotic Programming.

 

Hier kommen Sie niemals in eine Schleife herein, in der Sie die immer gleichen Bewegungsmuster machen. Das liegt schlicht daran, dass Sie einen Übungspartner haben, der Ihren Körper immer wieder in Situationen zwingt, in denen sehr komplexe Bewegungsmuster abgerufen bzw. eingepflanzt werden, die im Alltag normalerweise nie auftauchen würden.

 

Das Programming erfüllt alle oben genannten Kriterien, macht vor allem riesigen Spaß und befreit schon nach kurzer Zeit von Bewegungseinschränkungen. Man wird geschmeidiger und im ganzen Körper beweglicher. Und ganz nebenbei dient es auch noch der Selbstverteidigung.

 

P.S.: Wenn man weiß, was man tut, kann man auch ein Widerstandstraining machen. Maximal jedoch 2 mal pro Woche für vielleicht maximal 30 Minuten. Dabei kommt es darauf an über große Muskelketten zu arbeiten. Ich empfehle Ihnen, wenn Sie das machen wollen, Kettlebelltraining (Turkish Getup, Swing, Squat). Hierbei üben Sie beim Swing auch einen schönen Zug auf Ihre Faszien aus. Wenn Sie gerne eine echte Hantel haben möchten, können Sie das mit Kreuzheben (Deadlifts) ergänzen.

 

Bildnachweis: flickr.com - CF Undaunted (no changes made) - Creative Commons, BY-NC-ND 2.0

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