Wie oft muss ich diese Übung machen?

Ganz egal, welche Übung man auch machen möchte - es stellt sich immer wieder die Frage nach der Häufigkeit. Die klassische Antwort ist oft "2 mal in der Woche" oder "3 mal in der Woche". Wenn es um Mobilitätsübungen geht oft auch "täglich".

 

Selten wird sich die Frage gestellt, wie solche Empfehlungen zustande kommen. Man würde ja vermuten, dass sich schlaue Wissenschaftler in weißen Kitteln unter High-Tech Bedingungen mit Probanden in Räumen einschließen und täglich extensiv mal diese, mal jene Frequenz testen und sich die 2 / 3 immer wieder als optimal herausstellt.

 

Schon wär's.

 

Viel häufiger wird diese Frequenz genannt, weil sie halt immer genannt wird. Dabei ist nach meiner Erfahrung - und auch der meiner Kollegen - die Antwort sehr viel einfacher.

 

Die Anwort ist: Immer mal wieder.

 

Das trifft insbesondere dann zu, wenn es um Übungen zur Mobilität geht. Sie müssen nicht krampfhaft jeden Tag eine Übung machen, um darin besser zu werden.

 

Wenn Sie ein Instrument spielen (ich spiele übrigens Gitarre - nicht gut, aber laut!), dann ist es Ihnen vielleicht schon einmal so gegangen, dass Sie einen Lauf geübt haben und ständig hakte das. Nichts wurde besser. Dann lassen Sie Ihr Instrument für 1 oder 2 Wochen stehen, nehmen das Teil wieder in die Hand und ... auf einmal geht's ganz flüssig.

 

Was ist da passiert?

 

Sie bestehen ja nicht nur aus Muskeln und Faszien. Muskeln sind für sich sogar ziemlich tote Gebilde. Ohne ein Nervensystem und einem Gehirn ist der Muskel zu nichts in der Lage, was im tragischen Fall einer Querschnittlähmung offensichtlich ist. Beweglichkeit und Geschmeidigkeit ist nämlich nicht nur eine Eigenschaft der Beweglichkeit in den - Achtung Wichtigtuervokabel! - myofaszialen Strukturen, sondern hat auch etwas mit der Steuerung im Gehirn zu tun.

 

Um bestimmte Bewegungen ausführen zu können, spielen die Verschaltungen im Hirn und die Möglichkeit der nervalen Ansteuerung eine sehr wichtige Rolle. Nun braucht das Nervensystem aber auch eine Zeit um bestimmte Verschaltungen aufzubauen. Deshalb ist es ausreichend dem Nervensystem immer mal wieder einen bestimmten Impuls zu geben, so dass sich Verschaltungen bilden oder ggf. verstärken können.

 

Deshalb machen manche auch die Erfahrung, dass etwas täglich geübt wird, ohne dass sich etwas verändert. Und von heute auf morgen gibt es einen riesen Sprung. Das passiert, wenn sich die Verschaltungen eingestellt haben. Das wäre aber auch mit weniger Übungsaufwand der Fall gewesen. Das Nervensystem braucht halt auch seine Zeit.

 

Wenn Sie also eine Beweglichkeitsübung machen, wie bspw. sich mit dem Hinterteil zwischen Ihre Beine zu setzen und den Oberkörper dann nach hinten abzulegen. Es reicht vollkommen das nur hin und wieder zu machen, um besser zu werden. Das belastet weniger und spart Zeit.

 

Neuro-Tactile Programming

 

Das Senmotic ist ja nicht nur eine Faszientherapie, sondern ein Bewegungssystem und Kampfkunst.

 

Es gibt eine Trainingsmethode die wir "Neuro-Tactile Programming" (NTP) nennen.

 

Man trainiert hier mit einem Partner, die sich gegenseitig mit dem Druck eines 20-Cent Stücks berühren. Das Fasziennetz - das ja mit Nervenendigungen durchzogen ist - spürt welche Richtung, Geschwindigkeit und Kraft diese Berührungen haben und bewegt den Körper dann geschmeidig aus diesem Druck heraus und startet gleichzeitig eine Gegenbewegung.

 

Das Nervensystem wird hierbei so umprogrammiert, dass immer die richtigen Bewegungen zum richtigen Zeitpunkt ausgelöst werden.

 

Auch hierbei machen wir die Erfahrung, dass weniger eben mehr ist. Tägliches Training ist kontraproduktiv und würde das Nervensystem eher verwirren und überlasten.

Es kommt bei jedwedem Training darauf an möglichst wenig und nicht möglichst viel zu machen. Die Frage muss gestellt werden: Was ist die minimale effektive Dosis?

 

Doch darüber erzähle ich Ihnen demnächst etwas mehr.

Bildnachweis: "noch etwas üben" by FNF, Creative Commons: BY 2.0

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