Übungen

Sicherlich ist Ihnen schon aufgefallen, dass ich kein Freund von "Übungen" bin.

 

Die Überlegung dabei ist, dass man ja selten einen Löwen, Affen, ein Pferd oder einen Vogel dabei beobachtet, wie sie eine Übung machen.

"Heute übe ich mal nur den rechten Flügel zu bewegen". Oder "Rückwärtsfliegen ist meine Schwäche, ich übe das jetzt jeden Tag 20 Minuten".

 

Der Grund dafür, dass Tiere so etwas nicht machen ist der, dass Tiere sich den ganzen Tag bewegen, wie es sich für die jeweilige Art gehört. Das bedeutet in der Regel, dass die Tiere sich nicht einmal viel bewegen. Ein Löwe - ebenso wie unser Kater Paul - liegt den lieben langen Tag eher faul herum. Lediglich zum Jagen wird sich erhoben (oder im Fall von Paul: zum Fressen).

 

Was ist bei den Tieren anders? Ganz einfach: wenn sie sich bewegen, dann bewegen sie sich so, wie es artgerecht ist. Tiere machen sich da weiter keine Gedanken.

 

Deshalb sieht man selten Tiere in der Natur, die sich kaum noch bewegen können. Sollten Sie im Wald einmal Rehen begegnen mit Hornbrillen, dicken Bäuchen, verschobenen Läufern, die bei Gefahr kaum weglaufen können, dann werden Sie sicherlich den Förster anrufen, oder?

 

Trotzdem biete ich meinen Klienten bestimmte Übungen an, sowie ein ganzes Übungssystem, mit dessen Hilfe Sie Ihr Fasziennetz selbstständig dehnen lernen.

Ist das ein Widerspruch?

 

Mitnichten. Das Ziel muss sein, sich von jeder Übung zu emanzipieren und im Alltag wieder diejenigen natürlichen Bewegungsmuster zu implementieren, die jedes Üben für den Rest der Zeiten vollkommen überflüssig machen. Die 3x2 Stunden in der Woche, die Sie sonst üben, können Sie also anderweitig nutzen.

 

 

Übungen dienen uns als Brücke. Sie sind kein Selbstzweck. Sie sind ein Hilfsmittel hin zu einem funktionalen Körper und der Wiederaneignung artgerechter Bewegungsmuster (auch wieder nebenbei: Dies ermöglicht ebenso die Wiederaneignung der natürlichen Selbstverteidigungsfähigkeit. Doch, dazu später einmal mehr).

 

Wenn ich Ihnen also Übungen zeigen und anbiete, dann sind diese als Brücke zu verstehen. Sie bringen Sie auf die andere Seite eines breiten und reißenden Flusses, auf der alles, was man im Alltag (richtig) macht, gleichzeitig Übung ist und damit explizites Üben überflüssig macht.

 

Wenn Sie Übungen machen und diese für den Rest Ihres Lebens machen müssen, oder die gewonnenen Fortschritte wieder verlieren, dann stimmt etwas nicht. Übungen müssen Sie immer ein Stück besser machen, bis Sie sie gar nicht mehr brauchen. Und das funktioniert nur mit solchen Übungen, die zu natürlichen, artgerechten Bewegungen befähigen.

 

 

 

Bildnachweis: Adam McGuffie "stretch" Creative Commons BY 2.0

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