Warum Fitness mit Gesundheit nichts zu tun hat

Ich sehe sie am Morgen, am Mittag und am Abend. Wenn ich spazieren gehe, oder einkaufen fahre. Ich sehe sie im Park, am See, am Fluss, in der Stadt oder auf dem Land. Gemeint sind Jogger oder Radfahrer, die um ihrer Gesundheit Willen regelmäßig anstrengenden Sport treiben.

 

Sie tun dies, weil irgendjemand ihnen erzählt hat, dass Laufen vor Herz-Kreislauferkrankungen schützt und das Leben verlängert (wer ihnen das erzählt hat, verrate ich im Laufe des Artikels).

 

Die Begriffe "Fitness" und "Gesundheit" werden stets in einem Atemzug genannt. Wer regelmäßig Sport treibt und in der Folge "fit" ist, tut etwas für seine Gesundheit. Tatsächlich?

 

Was ist "Fitness"?

"Fitness" ist zunächst nichts anderes, als die Menge der körperlichen Arbeit, die Sie verrichten können. Wieviel Arbeit Sie verrichten können, hängt davon ab, wieviel Sauerstoff Ihr Körpergewebe aufnehmen und verwerten kann. Je mehr Sauerstoff Ihr Körper aufnehmen und verwerten kann, desto mehr Arbeit kann er verrichten.

 

Wenn Sie regelmäßig "aerobes Training" machen, bewirkt der sogenannte "Trainingseffekt" physiologische Veränderungen in Ihrem Körper, die es Ihnen erlauben, mehr körperliche Arbeit zu verrichten.

 

Zu diesen physiologischen Veränderungen gehören ein geringerer Ruhepuls, geringere Herzfrequenz und niedrigerer Blutdruck während maximaler Aktivität sowie schnellere Rückkehr zum Ruhepuls nach einem Training.

 

Man nimmt an, dass diese Veränderungen einen positiven Effekt auf die Gesundheit und die Lebensdauer haben.

Dabei geht es in erster Linie um koronare Herzerkrankungen. Aerobes Training soll davor schützen.

 

 

Und wer hat's erfunden?

Die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und geringerer Wahrscheinlichkeit von koronaren Herzerkrankungen konstatierte, trug den Titel "Coronary Heart Disease and Physical Activity of Work" von Jeremy N.Morris et al. aus dem Jahr 1953, erschienen in Lancet.

 

Morris untersuchte 31.000 Krankenakten von Bediensteten im öffentlichen Busverkehr Londons. Er unterteilte diese in 2 Gruppen, nämlich Fahrer und "Conductors". Fahrer sind die, die hinter dem Lenkrad sitzen. "Conductors" sind jene, die im Bus die Fahrkarten kontrollieren oder Fahrkarten verkaufen. Sie steigen die Treppen des Doppeldeckers rauf und runter, springen aus dem Bus heraus und wieder herein, helfen älteren Damen beim Einsteigen, kurz: sie sind den ganzen Tag über aktiv.

 

Das Ergebnis seiner Untersuchung: Die aktivere Gruppe hatte weniger koronare Herzerkrankungen, und wenn doch, dann deutlich später im Leben und weniger schwer. Zudem hatten die "Conductors" eine höhere Lebenserwartung.

 

Morris et al. führten diesen Unterschied ausschließlich auf die höhere körperliche Aktivität der "Conductors" zurück.

 

Diese Studie gilt als Meilenstein und wird bis zum heutigen Tage als Beweis für die schützende Wirkung körperlicher Aktivität auf das Herz-Kreislaufsystem angeführt.

 

Dumm nur, dass Morris nur 3 Jahre später diese Studie selbst kritischer betrachtete und auch andere mögliche Erklärungen mit einbezog und feststellte, dass der Unterschied nicht durch die körperliche Aktivität, sondern durch bereits vor Aufnahme der Tätigkeit vorhandene Unterschiede in der körperlichen und psychologischen Konstitution begründet war.

 

Oder anders ausgedrückt: Die körperliche Aktivität hatte damit gar nichts zu tun. Die "Conductors" hätten auch dann weniger koronare Herzerkrankungen gehabt, wenn sie die ganze Zeit im Sessel verbracht hätten.

 

Das verhinderte aber nicht mehr, dass in der Folge reihenweise ähnliche Studien mit ähnlichen Ergebnissen produziert wurden.

 

Irgendwann in den 70ern formulierte man gar eine "Marathon-Hypothese", nach der das Laufen eine Marathons absolut vor Herzerkrankungen schützt und das Leben verlängert.

 

Im Ernst: Manche behaupteten sogar, dass Marathonlaufen unsterblich macht!

 

Herzinfarkt beim Joggen?

 

Mein liebstes Beispiel ist an dieser Stelle immer Jim Fixx. Jim Fixx war der Erfinder des "Jogging" und Fachautor mehrerer Bücher über das Joggen und seine schützende Wirkung auf das Herz. Er starb mit nur 52 Jahren an einem Herzinfarkt: beim Joggen.

 

Das sollte einem klar denkenden Menschen eigentlich schon reichen. Bedenken Sie auch, dass der erste Marathon-Läufer der Welt nach Überbringung seiner Botschaft tot umgefallen ist.

 

Der bei Wikipedia zu findende Hinweis, der frühe Tod des Jim Fixx hätte mit einem seit Geburt bestehendem Herzfehler zu tun, besagt nicht, dass Jogging doch dolle gesund ist, sondern lediglich, dass Morris et al. mit ihrer Vermutung Recht haben, dass es schon vor Aufnahme der körperlichen Aktivität Unterschiede gegeben haben muss.

 

Hier ein paar Beispiele von Studien, die zeigen, wie ungesund anstrengende körperliche Aktiviät ist:

  • In einer vierjährigen Studie mit fast 17.000 Probanden im Alter zwischen 40 und 64 zeigte sich, dass anstrengende Bewegung in Form von Gartenarbeit oder schwimmen, wenn überhaupt, nur einen minimalen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat.
    (Morris JN, et al. Vigorous exercise in leasure-time and the incidence of coronary heart disease. In: Lancet 1973, Volume 301, Issue 7799, Pages 333 - 339)
  • In einer anderen Studie mit mehr als 18.000 Teilnehmern wurden diese in zwei Gruppen geteilt: Die einen trieben den üblichen empfohlenen Sport und die anderen bekamen gar keine Vorgaben. Im Ergebnis hatte die sporttreibende Gruppe signifikant höhere Raten von Herzproblemen und Todesfällen.
    (Rose G., et al. UK Heart Disease Prevention Project: Incidence and mortality results. In: Lancet 1983, Issue 8333, Pages 1062 - 1066).
  • In einer US-Amerikanischen Studie wurde der sozio-ökonomische Status der Teilnehmer am New York Marathon angeschaut. Obwohl 80% der Teilnehmer aus den höheren gesellschaftlichen Schichten stammten, man also erwarten könnte, dass diese länger leben als die ärmeren Mitbürger, war die Lebenserwartung der Marathonteilnehmer geringer, als im Bevölkerungsdurchschnitt, obwohl im gleichen Zeitraum die Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen um 20% gesunken war.
    (Stern, MP The recent decline in ischaemic heart disease mortality In: Ann Intern Med 91, 630 - 640).

Achten Sie auf den Autor der ersten Studie. Das ist genau jener Morris, der 20 Jahre zuvor, also 1953, herausgefunden haben wollte, dass Aktivität für koronaren Herzerkrankungen schützt!

 

Wenn es also "Studien" gibt, die zeigen, dass Fitness vor koronaren Herzerkrankungen schützt und Studien, die zeigen, dass Fitness keine Rolle spielt und Studien die das genaue Gegenteil zeigen, sprich: wenn es also schwierig ist, einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Fitness und Gesundheit herzustellen, dann könnte das auch daran liegen, dass es diesen Zusammenhang schlicht nicht gibt.

 

Man sollte ja immer die einfachste aller Erklärungen bevorzugen.

 

 

Die Gefahren von "Sport"

Um die Ecke unserer Wohnung gibt es einen Park. Darin sehe ich regelmäßig angestrengte "Jogger". Besonders eine Person hat es mir angetan: Ein Herr mittleren Alters mit eindeutigem Bierbauch und hochrotem Kopf, hochgezogenen Schultern, nach außen gedrehten Füßen und einem Muskeltonus am gesamten Körper als wäre er aus Stein.

 

Dieser Herr kam mir bei meinen morgendlichen Spaziergängen gelegentlich - schwerfällig vor sich hinstampfend - entgegen. Vor lauter Muskelspannung konnte der Mann sich kaum bewegen. Aber irgendwie wollte oder sollte er sich wohl bewegen, um abzunehmen. Ich konnte regelrecht den Arzt sagen hören: “Gehen Sie mal joggen, Sie müssen dringend abnehmen”.

Also quälte sich unser Herr regelmäßig durch den Park.

 

Wer in einem solchen körperlichen Zustand tatsächlich Laufen geht, bei dem sind praktisch Hüft- oder sonstige Schäden vorprogrammiert. Es gibt Menschen, die einen solch hohen Muskeltonus haben, dass sie nicht einmal mehr in einen einfachen Fersensitz kommen.

 

Will man also unbedingt "Sport" treiben oder Joggen gehen, kann es ratsam sein, sich von einem Körpertherapeuten zunächst wieder ins "Lot" bringen zu lassen. Denn ansonsten potenzieren sich die ohnehin schädlichen Einflüsse des üblichen Breitensports um ein Vielfaches.

 

Sie fragen sich, welche "schädlichen Einflüsse" das sind?

 

 

Jogging - Risiken

 

Bleiben wir doch beim Joggen. Jogger haben es naturgemäß vor allem mit Verletzungen der unteren Extremitäten zu tun.

 

Da stehen an erster Stelle Probleme mit dem Knie, bspw. das sog. "Runner's Knee" - also das Läuferknie. Dies äußert sich durch Schmerzen hinter oder um die Kniescheibe herum, Schmerzen beim Beugen der Knie, Schmerzen beim Treppesteigen und Schwellungen.

 

Dem Knie folgen der Unterschenkel und die Füße. Oft gibt es hier Brüche, die teilweise aus einer Ermüdung resultieren, da man über längere Zeiträume sehr monotone Bewegungen macht. Es kommt zudem häufig zu Entzündungen bspw. der Achillessehne.

 

Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, welche Kräfte beim Joggen auf den Körper wirken. Bei jedem Schritt muss Ihr Körper das 2-3 - fache seines Körpergewichts abfedern. Wenn Sie bspw. 75 Kilo wiegen wären das mindestens 150 Kilo pro Schritt. Wenn man nun bedenkt, dass bei jedem Lauf die Füße ca. 500 - 600 mal pro Kilometer auf den Boden auftreffen, so würden ca. 75 Tonnen pro Kilometer auf Ihre Knie und Füße gepresst. Laufen Sie also durchschnittlich 10 km pro Woche, wären das 750 Tonnen.

 

Solche kleinen Rechenbeispiele zeigen sehr gut, welche Belastungen man einem filigranen Knie nur durch Joggen aussetzt.

 

Wir betrachten hier nicht einmal solche Sportarten, bei denen es noch heftigen Körperkontakt gibt und in Folge dessen es zu Verletzungen wie Prellungen und Knochenbrüchen kommt.

 

Doch auch Profisportler verletzen sich gerne ohne jede Fremdeinwirkung.

 

Erst jüngst verletzte sich Sami Kehdira während des Fußball EM-Viertelfinales im Spiel gegen Italien nach nur 15 Minuten die Adduktoren, ohne jede Fremdeinwirkung und fiel so für das Halbfinale aus. Seinen Kollegen Jerome Boateng plagen die Waden, während Mario Gomez Probleme mit seinem Oberschenkel hat.

 

Neben diesen offensichtlichen Verletzungen kommt es bei Läufern auch zu:

  • Überhitzung oder Unterkühlung (Hyper- oder Hypothermie)
  • Anaphylaxie
  • sportinduziertes Asthma
  • Anämie (Runner's Anemia)

 

Der bereits oben genannte Jim Fixx ist dabei nur das prominenteste Beispiel eines Läufers, der an dem starb, was durch Laufen eigentlich verhindert werden sollte. Schauen Sie sich bspw. einmal die Artikel "Death during jogging or running" oder "Sudden death and vigorous exercise" an.

 

Gesund ist anders, meinen Sie nicht?

 

Zusammenfassung

 

"Fitness" soll deshalb gesund sein, weil ein Training des Herz-Kreislaufsystems koronare Herzerkrankungen verhindere. Es gibt jedoch keinen Zusammenhang zwischen der "Fitness", definiert als der Möglichkeit des Körpers Arbeit zu verrichten, und dem Aspekt "Gesundheit" in Bezug auf koronare Herzerkrankungen.

 

Vielmehr scheint eher das Gegenteil der Fall zu sein. Zudem kommt es bei Sportlern zu einer Vielzahl von Verletzungen und manchmal dauerhaften Schädigungen von Muskeln und Gelenken.

 

Oft wird sich in der Medizin oder Sportwissenschaft nur auf einen einzigen Aspekt konzentriert - bspw. "Fitness" und das Herz-Kreislaufsystem. Der Mensch ist aber nicht nur ein Herz-Kreislaufsystem. So fallen dann andere Auswirkungen sportlicher Aktivität zwangsläufig unter den Tisch. Man ist zwar dann "fit", hat aber kaputte Knie. Und hat sein Risiko für koronare Herzerkrankungen um keinen Deut verringert. Tolle Wurst.

 

Damit wir uns richtig verstehen. Falls Sie Fußball spielen oder regelmäßig joggen und daran Spaß haben, möchte ich Ihnen das nicht nehmen. Glauben Sie nur nicht den Versprechnungen der Fitness-Industrie, Sie könnten durch Joggen einem Herzinfarkt vorbeugen, denn das stimmt nicht.

 

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